Microsoft-Systemhaus: Partnerstatus prüfen und den passenden Partner wählen
Von Alex Arnold·Aktualisiert am ·7 Min. Lesezeit
„Microsoft-Systemhaus“ ist eine Selbstbezeichnung; eine Prüfung steht nicht dahinter. Nachprüfbar ist, was Microsoft vergibt: Lösungspartner-Kennzeichnungen in sechs Bereichen, für die ein Partner mindestens 70 von 100 Punkten in Microsofts Bewertung von Leistung, Qualifikation und Kundenerfolg braucht. Für Microsoft 365 ist die Kennzeichnung „Moderner Arbeitsplatz“ die passende, für Schutzfunktionen „Sicherheit“. Beides zeigt das Partnerverzeichnis von Microsoft.
Das Wichtigste in Kürze
- Kein geprüfter Titel: „Microsoft-Systemhaus“ darf sich jedes Systemhaus nennen. Aussagekräftig sind die Kennzeichnungen, die Microsoft vergibt.
- Gold und Silber gibt es nicht mehr: Microsoft bietet diese Stufen nicht mehr an und bittet Partner, nicht mehr darauf zu verweisen. Heute zählen Lösungspartner-Kennzeichnungen.
- 70 von 100 Punkten braucht ein Partner je Bereich, bewertet nach Kundenzuwachs, Zertifizierungen seiner Mitarbeitenden und Kundenerfolg.
- Für Microsoft 365 zählt „Moderner Arbeitsplatz“, für Schutzfunktionen „Sicherheit“. Spezialisierungen belegen tiefere Kenntnisse in einzelnen Themen.
- Admin-Rechte begrenzen: Mit differenzierten delegierten Administratorrechten (GDAP) erhält der Partner nur die Rollen, die Sie freigeben.
Was ist ein Microsoft-Systemhaus?
Ein Systemhaus plant, liefert und betreut IT für Unternehmen; was dazu gehört, beschreibt der Ratgeber Was macht ein Systemhaus?. Ein Microsoft-Systemhaus hat seinen Schwerpunkt auf Produkten von Microsoft: Microsoft 365 mit Exchange Online, Teams und SharePoint, dazu Windows Server, die Cloud-Plattform Azure und die Lizenzen für all das.
Eine Prüfung oder Zulassung hinter der Bezeichnung gibt es nicht. Nachprüfbar ist nur der Status, den Microsoft selbst vergibt. Er sagt etwas über Erfahrung und Qualifikation aus, aber nichts über Preis, Reaktionszeit oder die Nähe zu Ihrem Betrieb. Wie Sie diese Punkte prüfen, zeigt der Leitfaden zur Auswahl eines IT-Dienstleisters.
Gold und Silber gibt es nicht mehr: das heutige Partnerprogramm
Microsofts Partnerprogramm heißt Microsoft AI Cloud Partner Program. Silber- und Goldmitgliedschaften bietet Microsoft nach eigenen Angaben nicht mehr an und bittet Partner, nicht mehr darauf zu verweisen (Microsoft Learn: Einführung in Lösungspartnerbezeichnungen). Ein Angebot mit „Gold-Partner“ zeigt also einen Stand, der nicht mehr gilt.
An die Stelle sind sechs Lösungspartner-Kennzeichnungen getreten, die Microsoft nach außen zu drei Abzeichen zusammenfasst:
| Abzeichen | Kennzeichnungen | Worum es geht |
|---|---|---|
| Solutions Partner for AI Business Solutions | Moderner Arbeitsplatz; Geschäftsanwendungen | Microsoft 365 und Teams; Dynamics 365 und Power Platform |
| Solutions Partner for Cloud & AI Platforms | Daten und KI; Infrastruktur; Digitale und Anwendungsinnovation (jeweils Azure) | Server, Daten und Anwendungen in Azure |
| Solutions Partner for Security | Sicherheit | Schutz von Identitäten, Daten und Cloud, Abwehr von Bedrohungen |
Eine Einschränkung nennt Microsoft auf der Seite Einen Microsoft Partner finden: Weil Partner ein Abzeichen über eine oder mehrere Kennzeichnungen erwerben, erscheinen die einzelnen Kennzeichnungen im Verzeichnis unter Umständen nicht. Ein Partner mit dem Abzeichen „AI Business Solutions“ kann also über Microsoft 365 qualifiziert sein oder über Dynamics 365. Fragen Sie nach.
Was hinter einer Kennzeichnung steht
Grundlage ist die Partner-Kompetenzbewertung. Je Bereich vergibt Microsoft höchstens 100 Punkte in drei Kategorien (Microsoft Learn: Partner-Kompetenzwertung):
| Kategorie | Was Microsoft misst |
|---|---|
| Leistung | Zuwachs an Kunden |
| Qualifikation | Zertifizierungen der Mitarbeitenden auf mittlerer und fortgeschrittener Stufe |
| Kundenerfolg | Zuwachs der Nutzung und Bereitstellungen bei Kunden |
Für eine Kennzeichnung braucht der Partner mindestens 70 Punkte, und jede einzelne Messgröße muss über null liegen. Für kleinere Partner gibt es einen eigenen Weg: In den Bereichen Moderner Arbeitsplatz und Sicherheit bewertet Microsoft jeden Partner nach den Maßstäben für Großkunden und für kleine und mittlere Unternehmen und nimmt den höheren Wert.
Die Kennzeichnung erwirbt der Partner gegen eine Gebühr und verlängert sie jährlich; zur Verlängerung muss er die Voraussetzungen erneut erfüllen. Darauf bauen Spezialisierungen auf, die eine Kennzeichnung im passenden Bereich voraussetzen. Für den Mittelstand sind vor allem diese von Belang:
- im Bereich Moderner Arbeitsplatz: „Modernisieren von Endpunkten“, „Besprechungen und Besprechungsräume für Microsoft Teams“, „Anruffunktion in Microsoft Teams“,
- im Bereich Sicherheit: „Identitäts- und Zugriffsverwaltung“, „Bedrohungsschutz“, „Datensicherheit“, „Cloudsicherheit“.
Eine Kennzeichnung misst also das Geschäft des Partners mit Microsoft insgesamt: Kunden, Zertifikate, Nutzung. Ob er Ihren Betrieb gut betreut, zeigt sie nicht. Dafür bleiben Referenzen und das Erstgespräch.
So prüfen Sie den Partnerstatus
- Im Partnerverzeichnis nachsehen. Microsoft führt seine Partner im Partnerverzeichnis des Microsoft Marketplace. Dort zeigt das Profil des Anbieters seine Abzeichen; über „Kontakt mit mir aufnehmen“ lässt sich eine Anfrage stellen.
- Die Kennzeichnung schriftlich erfragen. Lassen Sie sich nennen, welche Kennzeichnungen und Spezialisierungen das Systemhaus hält und seit wann.
- Nach den Personen fragen. Zertifizierungen gehören zur Bewertung, sie hängen aber an einzelnen Mitarbeitenden. Fragen Sie, wer Ihren Betrieb betreuen wird und welche Microsoft-Zertifizierungen diese Personen haben.
- Referenzen prüfen. Bitten Sie um Kunden ähnlicher Größe, die das Systemhaus mit Microsoft 365 betreut. Wie Sie Referenzen seriös prüfen, beschreibt der Ratgeber zu Referenzen.
| Aussage im Angebot | Was Sie nachfragen |
|---|---|
| „Gold-Partner“ oder „Silber-Partner“ | Welche Lösungspartner-Kennzeichnung gilt heute? |
| „Microsoft-zertifiziert“ | Welche Kennzeichnung oder welche Zertifizierung, und für welche Person? |
| Abzeichen „AI Business Solutions“ | Über Moderner Arbeitsplatz oder über Geschäftsanwendungen erworben? |
| „Microsoft-Partner“ ohne Zusatz | Die Mitgliedschaft im Partnerprogramm allein ist keine Kennzeichnung. Welche liegt vor? |
Lizenzen über das Systemhaus oder direkt bei Microsoft?
Microsoft 365 Business können Sie direkt bei Microsoft zum Listenpreis kaufen; die aktuellen Preise stehen im Ratgeber zu den Kosten von Microsoft 365 je Nutzer. Alternativ beziehen Sie die Lizenzen über einen Partner im Cloud Solution Provider-Programm (CSP).
Microsoft unterscheidet dabei zwei Modelle (Microsoft Learn: Übersicht über das Cloud Solution Provider-Programm):
| Modell | Wie der Partner einkauft | Voraussetzungen laut Microsoft |
|---|---|---|
| Indirekter Wiederverkäufer | über einen von Microsoft autorisierten Distributor, der ihn bei Abrechnung und Support unterstützt | Mitgliedschaft im Partnerprogramm, Vertrag mit einem Distributor |
| Direktabrechnung | direkt bei Microsoft; der Partner verkauft, rechnet ab, verwaltet und unterstützt seine Kunden selbst | mindestens zwölf Monate als indirekter Wiederverkäufer und mindestens 1 Mio. US-Dollar CSP-Umsatz in den letzten zwölf Monaten |
Für alle CSP-Partner gilt eine jährliche Geschäftsprüfung durch Microsoft. Bevor ein Partner in Ihrem Namen Lizenzen kaufen oder Ihre Abonnements verwalten kann, akzeptieren Sie im Microsoft 365 Admin Center die Microsoft-Kundenvereinbarung.
Ob der Bezug über den Partner für Sie günstiger ist, hängt von seinem Angebot ab. Der Vorteil liegt woanders: eine Rechnung und ein Ansprechpartner für Lizenzen und Betreuung. Wechseln Sie später den Dienstleister, gehören die Lizenzen mit zur Übergabe; klären Sie vorher, wie das abläuft.
Sie suchen ein Systemhaus für Microsoft 365 und wollen vorher wissen, welcher Partner-Typ zu Ihrem Betrieb passt? Der Konfigurator ordnet das in wenigen Fragen ein.
Zum KonfiguratorAdmin-Rechte: was der Partner in Ihrem Mandanten darf
Wer Ihren Microsoft-365-Mandanten betreut, braucht Rechte darin. Microsoft sieht dafür eine Partnerbeziehung vor: Der Partner schickt eine Einladung, Sie nehmen sie im Microsoft 365 Admin Center an (Microsoft Learn: Verwalten von Partnerbeziehungen).
Mit differenzierten delegierten Administratorrechten (GDAP) erhält der Partner nach Angaben von Microsoft einen genaueren und zeitlich begrenzten Zugriff, ohne globale Administratorrechte. Sie stimmen den Rollen zu, die in seiner Anfrage stehen; die Rollen lassen sich anpassen. Besprechen Sie vor der Annahme, welche Rollen der Partner wofür braucht und für wie lange.
Wie Sie die Einladung eines neuen Dienstleisters prüfen, beschreibt der Ratgeber zum Onboarding in den ersten 90 Tagen. Wie Sie einem bisherigen Partner die Rechte entziehen, steht im Ratgeber zum Wechsel des IT-Dienstleisters.
Sieben Fragen an ein Microsoft-Systemhaus
- Welche Lösungspartner-Kennzeichnungen und Spezialisierungen halten Sie, und seit wann?
- Wer betreut uns, und welche Microsoft-Zertifizierungen haben diese Personen?
- Beziehen wir die Lizenzen über Sie? Über einen Distributor oder per Direktabrechnung?
- Wie hoch ist Ihr Preis je Lizenz im Vergleich zur Preisliste von Microsoft, und was ist in der Betreuung enthalten?
- Welche Administratorrollen fordern Sie an, und für welchen Zeitraum?
- Wer hilft bei einer Störung von Microsoft 365, und mit welcher Reaktionszeit?
- Was geschieht mit Lizenzen und Rechten, wenn wir den Dienstleister wechseln?
Wer noch Exchange auf einem eigenen Server betreibt, klärt im selben Gespräch den Weg nach dem Support-Ende; die Entscheidung zwischen Exchange SE und Exchange Online beschreibt ein eigener Ratgeber.
Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026.
- Microsoft Learn: Einführung in Lösungspartnerbezeichnungen – abgerufen am 14.10.2026
- Microsoft Learn: Partner-Kompetenzwertung – abgerufen am 14.10.2026
- Microsoft: Einen Microsoft Partner finden – abgerufen am 14.10.2026
- Microsoft Learn: Übersicht über das Cloud Solution Provider-Programm – abgerufen am 14.10.2026
- Microsoft Learn: Verwalten von Partnerbeziehungen mit Microsoft-zertifizierten Lösungsanbietern – abgerufen am 14.10.2026
Passendes Tool: Angebots-Vergleicher. Zwei Systemhaus-Angebote nebeneinander: effektive Monatskosten, Leistungsumfang und SLA – mit Fallstrick-Hinweisen.
Zum Angebots-VergleicherHäufige Fragen
Braucht ein Systemhaus eine Kennzeichnung, um Microsoft 365 betreuen zu dürfen?
Was ist ein Lösungspartner „Microsoft Cloud“?
Ist ein Partner teurer als der Kauf direkt bei Microsoft?
Welcher IT-Partner-Typ passt zu Ihnen?
Wenige Fragen, eine ehrliche Einordnung statt Bauchgefühl.
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