Exchange SE oder Exchange Online: Entscheidungshilfe für den Mittelstand
Von Alex Arnold·Aktualisiert am ·8 Min. Lesezeit
Exchange Server 2016 und 2019 erhalten seit dem 14. Oktober 2025 keinen Support und keine öffentlichen Sicherheitsupdates mehr. Microsoft nennt zwei Wege: den Umzug zu Exchange Online, als Einzelplan ab 3,50 € netto je Nutzer und Monat, oder das Upgrade auf Exchange Server Subscription Edition (SE), die weiter auf dem eigenen Server läuft und ein laufendes Abonnement voraussetzt. Welcher Weg passt, entscheidet sich an Betrieb, Lizenzlage und der Frage, wo die Daten liegen sollen.
Das Wichtigste in Kürze
- Support-Ende: Exchange Server 2016 und 2019 sind seit dem 14. Oktober 2025 ohne Support. Die kostenpflichtige Update-Verlängerung (ESU) endet laut Microsoft Ende Oktober 2026 und wird nicht noch einmal verlängert.
- Exchange Online: Microsoft betreibt den Dienst. Listenpreise im Jahresabo: 3,50 € (Plan 1) und 6,90 € (Plan 2) netto je Nutzer und Monat, Stand Oktober 2026.
- Exchange Server SE ist die einzige weiter unterstützte Version für den eigenen Server. Sie setzt Server- und Zugriffslizenzen mit aktiver Software Assurance voraus – oder Cloud-Abolizenzen für alle Nutzer.
- Kein Zwang zur Cloud: Microsoft sagt für Exchange Server Support bis mindestens 2035 zu.
- Frist für den Mischbetrieb: Das Update CU2 für Exchange SE, angekündigt für das erste Halbjahr 2027, lässt sich nur installieren, wenn kein Server mit Exchange 2016 oder 2019 mehr in der Organisation steht.
Was gilt seit dem Support-Ende von Exchange 2016 und 2019?
Beide Versionen haben am 14. Oktober 2025 das Ende ihres Supports erreicht. Seither liefert Microsoft nach eigenen Angaben keine Fehlerkorrekturen, keine Sicherheitskorrekturen und keine Zeitzonen-Updates mehr und leistet keinen technischen Support (Exchange Team Blog, 14. Oktober 2025). Die Server laufen weiter. Lücken, die seitdem bekannt werden, bleiben aber offen. Was das BSI für Software ohne Herstellersupport verlangt, erklärt der Ratgeber Was ist Patch-Management?.
Für die Übergangszeit hat Microsoft ein kostenpflichtiges Programm für erweiterte Sicherheitsupdates (Extended Security Updates, ESU) aufgelegt, in zwei getrennten Abschnitten:
| Abschnitt | Zeitraum | Bedingungen laut Microsoft |
|---|---|---|
| Periode 1 | Oktober 2025 bis April 2026 | Kauf über das Microsoft-Kundenteam, Preis je Server auf Anfrage |
| Periode 2 | Mai 2026 bis Ende Oktober 2026 | Eigener Vertrag, auch für Teilnehmer der Periode 1; für Kunden mit Enterprise Agreement; keine weitere Verlängerung |
Drei Einschränkungen nennt die Ankündigung der Periode 2: Das Programm verlängert den Support nicht, Microsoft sagt nicht zu, dass in dem Zeitraum überhaupt Updates erscheinen, und verteilt werden sie nur an Teilnehmer. Für Betriebe ohne Enterprise Agreement war das Programm damit kein Weg.
Hinzu kommt eine Folge für den Mailverkehr: Microsoft drosselt oder blockiert E-Mails, die dauerhaft veraltete Exchange-Server an Exchange Online senden. Stand September 2026 genügt nach Angaben von Microsoft der Update-Stand vom Oktober 2025, um das zu vermeiden; das Unternehmen kündigt an, dass auch dieser Stand eines Tages betroffen sein wird.
Läuft der Exchange-Server auf Windows Server 2016, steht ein zweiter Stichtag an: Für das Betriebssystem endet der Support am 12. Januar 2027. Die Wege dafür beschreibt der Ratgeber zum Support-Ende von Windows Server 2016.
Exchange Online und Exchange Server SE im Vergleich
Microsoft empfiehlt, zu Exchange Online zu wechseln oder auf Exchange Server SE zu aktualisieren. Die Tabelle stellt beide Wege nebeneinander; die Angaben stammen aus den unten genannten Quellen von Microsoft.
| Merkmal | Exchange Online | Exchange Server SE |
|---|---|---|
| Wer betreibt die Server? | Microsoft | Ihr Betrieb oder Ihr IT-Dienstleister |
| Updates | spielt Microsoft ein | zwei kumulative Updates im Jahr, dazu Sicherheitsupdates nach Bedarf; einspielen müssen Sie sie selbst |
| Lizenz | Abonnement je Nutzer | Serverlizenz und Zugriffslizenzen mit aktiver Software Assurance – oder Cloud-Abolizenzen für alle Nutzer und Geräte, die zugreifen |
| Laufzeit des Supports | laufender Dienst | kein festes Enddatum, solange der Server aktuell gehalten wird; Zusage bis mindestens 2035 |
| Ort der Postfächer | Rechenzentren von Microsoft | eigener Server oder eigenes Rechenzentrum |
| Neue Funktionen | zuerst und teils nur hier, etwa die KI-Funktionen von Microsoft 365 Copilot | Funktionsupdates ab CU1, angekündigt für das zweite Halbjahr 2026 |
Die allgemeine Abwägung zwischen Cloud-Dienst und eigenem Server – Kosten über fünf Jahre, Leitung, Abhängigkeit vom Anbieter – behandelt die Entscheidungshilfe Cloud oder On-Premise.
Was kostet Exchange Online?
Microsoft Deutschland nennt in seiner Übersicht der Exchange-Pläne diese Listenpreise, netto je Nutzer und Monat im Jahresabo (Stand Oktober 2026):
| Plan | Listenpreis | Postfach | Darüber hinaus |
|---|---|---|---|
| Exchange Online (Plan 1) | 3,50 € | 50 GB, dazu 50 GB Archiv | E-Mail und Kalender |
| Exchange Online (Plan 2) | 6,90 € | 100 GB, dazu 1,5 TB Archiv | wie Plan 1 mit größerem Postfach und Archiv |
| Microsoft 365 Business Basic | 6,07 € | 100 GB, dazu 50 GB Archiv | Office-Programme im Browser und auf Mobilgeräten, Teams, 1 TB Cloudspeicher; für bis zu 300 Nutzer |
Rechenbeispiel: Ein Beispielbetrieb mit 25 Postfächern zahlt mit Plan 1 im Monat 87,50 € (25 × 3,50 €), im Jahr 1.050 €. Mit Business Basic sind es 151,75 € im Monat (25 × 6,07 €) und 1.821 € im Jahr.
Zur Lizenz kommen einmalig die Arbeitszeit für den Umzug und laufend Posten wie Datensicherung und Betreuung. Welche das sind und wie sich die Pläne mit Office-Programmen unterscheiden, zeigt der Ratgeber zu den Kosten von Microsoft 365 je Nutzer.
Exchange Server SE: Lizenz, Laufzeit und Upgrade-Weg
Exchange Server SE ist seit dem 1. Juli 2025 verfügbar. Die erste Fassung enthält nach Angaben von Microsoft gegenüber dem letzten Update für Exchange 2019 (CU15) keine neuen Funktionen und verlangt keine neuen Lizenzschlüssel; geändert haben sich Name, Lizenzvertrag und Lebenszyklus (Exchange Team Blog, 1. Juli 2025).
Lizenz. Das Modell entspricht dem von Exchange Server 2019: Serverlizenzen und Zugriffslizenzen (CALs). Neu ist, dass ein aktives Abonnement dazugehört. Microsoft nennt in seinen Fragen und Antworten zum Upgrade zwei Möglichkeiten:
- Cloud-Abolizenzen für alle Nutzer und Geräte, die auf den Server zugreifen, zum Beispiel Microsoft 365 E3 oder E5, oder
- Serverlizenzen und CALs mit Software Assurance, dem Wartungsprogramm von Microsoft für Volumenlizenzen.
Einen Listenpreis für Exchange Server SE nennen diese Quellen nicht. Holen Sie ein Angebot bei einem Lizenzpartner oder über Ihren IT-Dienstleister ein und lassen Sie Serverlizenz, Zugriffslizenzen und Software Assurance einzeln ausweisen.
Laufzeit. Exchange Server SE folgt der Modern Lifecycle Policy: Der Support hat kein festes Enddatum, solange der Server auf aktuellem Stand ist. Neue Versionen mit Jahreszahl soll es nicht mehr geben. Im August 2025 hat Microsoft ergänzt, Exchange Server bis mindestens 2035 zu unterstützen.
Upgrade-Weg. Er hängt von der Version ab, die heute läuft:
| Ausgangslage | Weg laut Microsoft |
|---|---|
| Exchange 2019 mit CU14 oder CU15 | Upgrade auf demselben Server; es läuft ab wie die Installation eines kumulativen Updates |
| Exchange 2019 mit CU13 oder älter | zuerst CU15 installieren, dann das Upgrade auf demselben Server |
| Exchange 2016 mit CU23 | neuen Server mit Exchange SE in die Organisation aufnehmen, Postfächer umziehen, Exchange 2016 abbauen |
| Exchange 2013 oder älter | muss zuerst aus der Organisation entfernt werden |
Zeitplan. Das erste Funktionsupdate (CU1) kündigt Microsoft für das zweite Halbjahr 2026 an; mit ihm bleiben Server mit Exchange 2016 und 2019 in derselben Organisation noch möglich. Das zweite (CU2), angekündigt für das erste Halbjahr 2027, lässt sich nur installieren, wenn alle älteren Server abgebaut sind. Künftige Updates sollen außerdem eigene Produktschlüssel für Exchange SE verlangen.
Zu den Lizenzen kommen beim eigenen Server die Posten, die schon bisher anfielen: Hardware oder virtuelle Maschine, Windows-Server-Lizenz, Datensicherung, Spam- und Virenfilter sowie die Arbeitszeit für jedes Update.
Wann passt welcher Weg?
Die folgende Einordnung ist eine Entscheidungshilfe dieses Portals, keine Vorgabe von Microsoft.
Exchange Online liegt nahe, wenn
- im Betrieb niemand ist, der einen Mailserver zweimal im Jahr aktualisiert und Sicherheitsupdates kurzfristig einspielt,
- Sie ohnehin Microsoft 365 für Office-Programme oder Teams nutzen,
- weder Software Assurance noch passende Cloud-Abolizenzen vorhanden sind – dann müssten Sie für Exchange SE erst ein Abonnement abschließen.
Exchange Server SE liegt nahe, wenn
- Verträge, Kunden oder interne Vorgaben verlangen, dass Postfächer auf eigenen Systemen liegen,
- Anwendungen im Haus fest mit dem lokalen Exchange-Server verbunden sind und sich nicht kurzfristig umstellen lassen,
- Software Assurance oder Microsoft 365 E3 oder E5 schon vorhanden sind und der Betrieb der Updates geregelt ist.
Beides schließt sich nicht aus: Im Hybridbetrieb liegen Postfächer teils in Exchange Online, teils auf dem eigenen Server. Dann sind allerdings zwei Umgebungen zu pflegen.
Der Mailserver muss abgelöst werden, und im Haus fehlt die Zeit für Planung und Umzug? Der Konfigurator ordnet in wenigen Fragen ein, welcher Partner-Typ zu Ihrem Betrieb passt.
Zum KonfiguratorVorgehen in sechs Schritten
- Bestand aufnehmen. Welche Exchange-Version mit welchem Update-Stand läuft auf welchem Server? Wie viele Postfächer gibt es, wie groß sind sie? Welche Geräte und Programme versenden über den Server, etwa Scanner, Warenwirtschaft oder Ticketsystem?
- Lizenzlage klären. Besteht Software Assurance, und welche Microsoft-365-Pläne sind schon gebucht?
- Weg festlegen. Entscheiden Sie anhand des Vergleichs oben und halten Sie die Gründe fest.
- Angebot einholen. Verlangen Sie eine Aufwandsschätzung in Stunden mit Leistungsbeschreibung. Für Systemadministration nennt der Stundensatz-Benchmark für IT-Dienstleister als Richtwert 100–140 € netto je Stunde.
- Sichern und im Kleinen testen. Vor dem Umzug steht eine geprüfte Datensicherung. Ziehen Sie zuerst wenige Postfächer um und prüfen Sie Kalender, Freigaben und Mobilgeräte.
- Umziehen und den alten Server abbauen. Ein Exchange-Server wird nicht einfach ausgeschaltet, sondern ordnungsgemäß aus der Organisation entfernt. Ein vergessener Altserver bleibt sonst ein offenes Risiko.
Ob Updates, Datensicherung und Zugriffsschutz in Ihrem Betrieb insgesamt geregelt sind, zeigt der IT-Sicherheits-Check mit zwölf Fragen. Wie das Thema neben den übrigen Pflichten steht, ordnet der Überblick zu IT-Sicherheit und Compliance im Mittelstand ein.
Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026.
- Microsoft: Support for Exchange Server 2016 and Exchange Server 2019 ends today (Exchange Team Blog, 14. Oktober 2025) – abgerufen am 11.10.2026
- Microsoft: Exchange Server Subscription Edition (SE) is now available (Exchange Team Blog, 1. Juli 2025, ergänzt am 6. August 2025) – abgerufen am 11.10.2026
- Microsoft: Upgrading your organization from current versions to Exchange Server SE (Exchange Team Blog, aktualisiert am 26. August 2026) – abgerufen am 11.10.2026
- Microsoft: Announcing Period 2 Exchange 2016/2019 Extended Security Update (ESU) program (Exchange Team Blog, 15. April 2026) – abgerufen am 11.10.2026
- Microsoft Deutschland: Exchange-Pläne und Preise vergleichen – abgerufen am 11.10.2026
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